21.06.2010

 

Fluglärm-Dilemma im Berchtesgadener Land

Wegen Fluglärm trafen sich Berchtesgadener JUler mit dem Geschäftsführer des Salzburger Flughafens Dir- Ing. Roland Hermann. Ziel war, das Thema auch mit den „Verursachern“ zu erörtern, um sich anschließend eine unabhängige Meinung zu bilden.


Zu Beginn gab Herr Hermann einen kleinen Abriss über die Historie des Salzburger Flughafens, welcher aktuell etwa ein Einzugsgebiet von 2,5 Mio. Menschen auf Bayerischer und Salzburger Seite besitzt. Eigentümer des Salzburg Airport W. A. Mozart sind die Salzburger Beteiligungsverwaltungs-GmbH mit 75% (Land Salzburg) und die Stadt Salzburg Beteiligungs-GmbH mit 25%. Aktuell finden 350 Menschen einen direkt in der Flughafen GmbH einen sicheren Arbeitsplatz, insgesamt sind mit den Partnern mehr als 1400 Menschen am Flughafen beschäftigt. Seit Jahren arbeitet der Salzburger Flughafen beim Thema Lärmschutz sehr gut mit der "Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigung durch Flugzeuge für den Flughafen Salzburg“ (kurz: der deutsch-österreichischen Fluglärmkommission) den Anrainern und anderen Vertretern zusammen. Erste Irritationen traten vor etwa fünf Jahren auf, als im Zuge eines Ediktalverfahrens, welches neben der Erweiterung der Grundfläche des Airports, der Neuerrichtung mehrerer Hangars und der Erweiterung der Parkplätze auch die Neuerrichtung eines Rollweges beinhaltet, die zuständigen deutschen Behörden in Bonn davon unterrichtet wurden. Die zuständige Landesbehörde in München hatte hierzu keine Einwände und signalisierte grünes Licht.


Aktuell starten und landen im Jahresdurchschnitt während der Geschäftszeiten des Flughafens von 6:00 Uhr bis 23:00 Uhr 4 Maschinen im kommerziellen Flugverkehr pro Stunde. Sicherlich gibt es in den Wintermonaten, bedingt durch russische und englische Gäste, ein punktuell erhöhtes Flugaufkommen. Allerdings wird außerhalb der Geschäftszeiten des Airports strikt darauf geachtet, dass weder Maschinen starten noch landen dürfen und somit kein nächtlicher Lärm entsteht, erläutert der Geschäftsführer weiter. Die ehrlichen Bemühungen zum Lärmschutz der Anrainer seitens des Airports spiegeln laut Hermann die Zahlen wider: ausgenommen von Rettungseinsätzen, sind die Bewegungen nach 23:00 Uhr von 72 (40 Landungen, 32 Starts) im Jahr 2007 auf 18 (18 Landungen, davon 2 GAC = General Aviation Kleinflugzeuge) im Jahr 2009 reduziert worden. Als weitere Lärmschutzmaßnahme verbot der Flughafen Salzburg beginnend mit Oktober 2008 Landungen und Starts von Maschinen des Typs MD-80 und Tupolew-154, die bauartbedingt einen wesentlichen Teil zum Dauerschallpegel beitrugen. Im Jahr 2009 fanden 84% der Landungen nach einem Überflug von Freilassing statt. Hermann führte weiter aus, man sei bestrebt diese Zahl durch neue An- und Abflugprozeduren zu reduzieren, wozu neue technische Hilfsmittel (bodengestützte Navigation) installiert wurden. Die letzten zusätzlichen Navigationshilfen werden im Laufe des Jahres 2010 fertiggestellt. Allerdings sei die Wahl der Landeroute die letztliche Entscheidung des Piloten, der dafür auch alleine die Verantwortung trägt. Zudem sei mit alten Maschinen eine Landung von Süd nach Nord problematisch, da die notwendigen Sinkflugbedingungen nur sehr schwer erreicht werden können. Besonders bedauerlich sind die falschen Informationen über die Bewegungen an unserem Flughafen, so Hermann. Im Jahr 2007 registrierte die staatliche Aufsichtsbehörde für den Flugverkehr 57.065 Bewegungen. Bei den von Herrn Clausen genannten 87.578 Flugbewegungen zählen alle im Korridor der Salzburger Austro Control GmbH erfassten Bewegungen, d.h. auch Überflüge in Richtung München und Ballonfahrten, die in großer Flughöhe keine Lärmbelästigung verursachen.


Durch die teils gezielte einseitige und leider auch falsche Informationspolitik von einigen Interessensvertretern entstand in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren ein einseitiges und sicherlich nicht korrektes Bild: Die Salzburger ziehen den Nutzen aus dem Flughafen und die anliegenden bayerischen Gemeinden haben den Lärm und den Schaden, so Hermann weiter. Der Pressesprecher des Flughafens Salzburg, Herr Alexander Klaus wies in diesem Kontext darauf hin, dass ein Blick in das Parkhaus und auf die Nummernschilder der parkenden Fahrzeuge mindestens bei der Hälfte der Fahrzeuge die deutsche Herkunft belegt. Die Flughafenkritiker, die nur einen Nutzen für Salzburg postulieren, werden hier eindeutig eines Besseren belehrt.

Georg Eder zeigte sich in der Diskussionsrunde verwundert, dass es trotz einer EU Richtline „über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm“ unterschiedliche Angaben zu dem Lärmpegel bzw. Dauerschallpegeln gebe. Außerdem müsse in dieser Diskussion auch die Frage gestellt werden, ob sich die Belästigung durch Fluglärm für die Anwohner, egal ob auf bayerischer oder Salzburger Seite des Flughafens, in den letzten Jahren nicht durch die eingeleiteten Maßnahmen reduziert haben und tendenziell bereits der richtige Weg beschritten wird oder ob die Maßnahmen keine Verbesserung der Situation herbeiführten. Sicherlich müssen und können noch viele Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden, so Eder weiter. Auf die Frage, ob es auch Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Flugbetriebs in Salzburg, ähnlich wie die von Prof. Dr. Greiser im Großraum Köln angefertigte Untersuchung, gibt, antwortete Hermann, dass im Rahmen der kommenden UVP Gutachten diese Untersuchungen berücksichtigt werden müssen (humanmedizinisches Gutachten).

Maximilian Lederer ist überzeugt, dass hier wieder ein ehrlicher Dialog unter allen Interessensgruppen gefunden werden muss, damit das Problem Fluglärm schnellst möglich gelöst wird. Wie wichtig der Flugverkehr für unsere Industrie und Wirtschaft ist, zeigen die Auswirkungen des Flugverbots nach Ausbruch des isländischen Eyjafjallajökull Vulkans, der in weiten Teilen Europas den Flugverkehr zum erliegen brachte. Auch für unsere Region ist der Flughafen Salzburg nicht nur ein nahgelegener übersichtlicher Flughafen für Urlaubsreisen, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt, der uns an eine globale Welt anbindet.

 

Foto (von links): Stellvertretender JU-Kreisvorsitzender Tobias Böswald (Laufen), Geschäftsführer Ing. Roland Hermann, Georg Eder (Saaldorf), JU-Kreisvorsitzender Maximilian Lederer (Surheim), Thomas Reiter-Hiebl (Freilassing), JU-Ortsvorsitzende Stephanie Kunz (Bad Reichenhall), Gemeinderat Andreas Buchwinkler (Surheim) und JU-Ortsvorsitzender Tobias Starnecker (Laufen) sprachen über die Situation des Flughafens Salzburg.

 

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